Fußball 1.Männer Saisonübersicht 1987/1988

Die Fußball-Bezirksliga im Rückblick

Entscheidung fiel drei Spieltage vor Meisterschaftsende

Stahl Hennigsdorf ist nach 4 Jahren wieder in der DDR-Liga

Drei Jahre lang hatte Stahl Hennigsdorf vergeblich Ansprüche auf den Titel eines Fußball-Bezirksmeisters geltend gemacht, im vierten Jahr nun klappte es endlich. Zünglein an der Waage dabei war wohl der Ausgang des Treffens Rathenow gegen Stahl Brandenburg II (2:0) drei Runden vor Schluß. Ein fast sensationelles Resultat, das die Hennigsdorfer am selben Tag daheim nur 1:1 gegen Velten an der bis dahin 15 Spieltage lang führenden Elf von Stahl Brandenburg II vorbeiziehen ließ. Diesen Platz an der Sonne gab die Elf dann nicht mehr her, Routine und solides Können der Kicker um den oberligaerfahrenen Kapitän und Libero Weniger waren ausreichend genug. So zog der neue Meister nur einmal in den 30 Begegnungen (1:2 zu Hause gegen Oranienburg) den Kürzeren.

Womit gesagt ist: Die Hennigsdorfer wurden nicht unverdient Titelträger, zumal sie im Anschluß an die Meisterschaft den Aufstieg in die Regionen des Leistungsfußballs schafften. Bemerkenswert aber gleichfalls das Abschneiden der Öberligareserve von Brandenburg, die in der 2. Halbserie verstärkt Juniorenspieler einsetzte.

Chemie Velten als geschlagener Titelverteidiger stand den beiden Teams kaum in etwas nach, hielt sich zumindest im Pokal schadlos. Die Mannschaft unter Übungsleiter Andreßen sah die abgelaufene Saison als Aufbauphase an, will nun in der kommenden Meisterschaft auftrumpfen.

Die drei genannten Gemeinschaften kontrollierten das Geschehen, waren sich auch in den Begegnungen untereinander ebenbürtig. Hennigsdorf spielte gegen Velten und Stahl II jeweils remis, die Vergleiche Stahl II gegen Velten endeten 1:0 bzw. 1:2. Eine Patt-Situation also, so daß die Meisterschaft letztendlich durch „Ausrutscher“ der großen Drei gegen die übrige Konkurrenz entschieden wurde. Diese wiederum bot durchweg nur Durchschnittliches, zumeist regierte der Kampf, stand der Spielgedanke hinten an.

Trotzdem sei hervorgehoben, daß sich Gemeinschaften wie Motor Süd (unrühmlich allerdings die vier Herunterstellungen ) Falkensee/Finkenkrug; Neuruppin und Luckenwalde um zwei und mehr Positionen in der Tabelle verbesserten. Falkensee/Finkenkrug erreichte sogar mit Rang 5 die bisher beste Bezirksligaplazierung. Die 1. Männer ist damit ein gutes Aushängeschild für die 19 Mannschaften dieser Sportgemeinschaft, die 445 Mitglieder zählt und auch über ein Frauenteam verfügt.

Daß das Niveau insgesamt nicht ausreichend war, daran hatten solche Gemeinschaften wie Oranienburg, Premnitz und vor allem Motor Hennigsdorf sowie Turbine Potsdam eine Aktie. Turbine, mit nicht wenigen ligaerprobten Kickern von Motor Babelsberg auflaufend, schaffte mit Ach und Krach die Klassenzugehörigkeit, wobei ganze 29 Treffer in 30 Spielen, heraussprangen. Stagnation oder gar rückläufige Tendenzen innerhalb der genannten Vertretungen machten es den Neulingen Ludwigsfelde II und Rathenow natürlich leichter, ihr Klassenziel zu erreichen.

Nun steht das Gesagte keineswegs im Widerspruch dazu, daß es auch im Kampf um den Verbleib in Potsdams höchster Spielklasse äußerst spannend zuging. Vor allem Wolfgang Rahn, der in der 2. Halbserie als Spielertrainer nach Neustadt kam, kann sich in diesem Zusammenhang auf die Schulter klopfen. Er mobilisierte als Libero nicht nur die Abwehr, sondern alle Neustädter Kicker, die beim 1:1 in Velten ihr Husarenstück vollbrachten.

Absteigen mußte Motor Babelsberg II, das 47 Spieler einsetzte. Mit Gewißheit ein folgerichtiger Ausdruck der lange andauernden Misere in der Führung der Sektion. Für Lok Seddin war absehbar, daß die Übermacht der Konkurrenz zu groß sein würde. Die zwei Saisonsiege, ausgerechnet auch noch auswärts gegen Luckenwalde (4:0) und Rathenow (2:0) erzielt, mußten deshalb wie Balsam auf die strapazierten Seddiner Fußballwunden wirken.

Bei den Aufsteigern kehren mit Aufbau Zehdenick und Motor Teltow zwei Alteingesessene des Potsdamer Oberhauses in bekannte Gefilde zurück. Totaler Neuling hingegen ist die Elf von Einheit Werder, die seit rund 2 Jahren die Handschrift von Spielertrainer Klaus Rosin trägt, der zuvor ein Stuck Babelsberger Liga-Geschichte mitschrieb.

PETER BRANDES

Statistisches

51119 Zuschauer (Vorjahr 57 660) passierten die Stadiontore, das entspricht einem Durchschnitt von 213 (86/87 236) je Spiel. Über dien größten Heimzuspruch verfügte Meister Stahl Hennigsdorf mit 8260 Zuschauern (0 = 551), gefolgt von Velten 6850 (0 = 456) und Motor Hennigsdorf 4467 (0 = 298). Babelsberg II (0 = 68), Turbine Potsdam (0 = 60) sowie Seddin (0 = 58) fanden die geringste Resonanz.

Torschützenkönig wurde Goschin (Velten) mit 25 Treffern, gefolgt von Schwerinski (Stahl II) und Wangerin (Stahl Hennigsdorf) je 19, Howe (Neuruppin) und Wylezich (Oranienburg) je 13 sowie Terletzki (Falkensee/Finkenkrug) mit 12. Das torreichste Treffen war das 7:3 von Stahl II gegen Seddin, den höchsten Sieg gab’s beim 9:0 von Stahl II gegen Falkensee/Finkenkrug.

Die Rubrik „eingesetzte Spieler“ führt Motor Babelsberg II mit der Rekordzahl von 47 an. 2. Ludwigsfelde II 35, 3. Stahl II 34, 4. Rathenow 28. Mit den wenigsten Aktiven kamen Premnitz mit 21 und Neustadt mit 20 aus.

Platzverweise wurden einschließlich des Pokals 17 registriert, wobei in der Fairplay-Wertung Babelsberg II Platz 14, Rathenow Rang 15 und Motor Süd Position 16 einnehmen. Als fairste Vertretung erwies sich Stahl II, gefolgt von Oranienburg und Ludwigsfelde II.

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