Fußball 1.Männer Saisonübersicht 1971/1972

Was brachte die Fußball-Bezirksligasaison in der abgelaufenen Spielzeit 1971/72?

An Niveau eingebüßt

Liga-Erfahrung verschaffte Hennigsdorf und Premnitz ein deutliches Plus / Zuschauerzahlen gingen zurück / Einer der Lichtblicke: TSV Luckenwalde / Zwei Neulinge überraschten

Von unserem Sportredakteur PETER BRANDES

Potsdams Fußball-Bezirksliga besaß in der abgelaufenen Saison bei weitem nicht mehr die Attraktivität vergangener Jahre. All zu häufig fehlten spielerische Höhepunkte, zu wenig kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. Ausnahmen bildeten lediglich die Begegnungen der Spitzenmannschaften und hier besonders das Spiel zwischen Vorwärts Motor Teltow und Motor Hennigsdorf (1:1) sowie Premnitz-Hennigsdorf (1:1 und 0:0) und Luckenwalde-Hennigsdorf (???:0). Das kaum befriedigende Niveau schlug sich dann auch in der Zuschauerresonanz nieder, kamen diesmal im Durchschnitt je Spieltag doch nur 3714 Zuschauer zu den einzelnen Begegnungen. Insgesamt wurden 111 430 registriert (im Vorjahr rund 200 000).

Packend indes verlief der Zweikampf der beiden Meisteraspiranten Chemie Premnitz und Motor Hennigsdorf. Die Ligaerfahrung vergangener Jahre klug ausspielend, verschafften sie sich ein deutliches Plus gegenüber der Konkurrenz. „Ihnen folgte“, so konstatierte Walter Knieszner, Vorsitzender der Spielkommission zu Recht „ein breites Mittelfeld, in dem vor allem die TSV Luckenwalde, Motor Babelsberg II und Eintracht Glindow für kaum erwartete Resultate sorgten.“ Aber auch das sprach Walter Knieszner deutlich aus: „5 Mannschaften, nämlich Lok Jüterbog, Dynamo Gransee, Lok Wittstock, Einheit Nauen und Motor Pritzwalk, blieben unter Bezirksliganiveau.“

Für das deutliche Nachlassen darf man hier getrost die schlechte Arbeit mit dem eigenen Nachwuchs anführen. Die überalterte Mannschaft von Motor Pritzwalk jedenfalls ist ein Beispiel dafür.

Schlechten Dienst erwiesen

Bedauerlich, daß erstmals in der Geschichte der höchsten Spielklasse des Bezirks der Titel am „Grünen Tisch“ vergeben wurde. Die BSG Chemie Premnitz schien — wenn auch nur äußerst knapp — dem Wiederaufstieg zuzusteuern. Doch dann kam ein Einspruch an die Rechtskommission des BFA, der sich in der Endkonsequenz als richtig erweisen sollte. Die Betriebssportgemeinschaft hatte nachgewiesenermaßen gegen die Richtlinien des Deutschen Fußballverbandes der DDR und seiner nachfolgenden Organe verstoßen. 10 Pluspunkte wurden der Elf abgezogen und 10 Minuspunkte hinzugezählt. Hinzu kamen eine Ordnungsstrafe sowie die Sperre des Sektionsleiters. Wir meinen, daß die Funktionäre der BSG mit ihrem Verhalten nicht nur der Mannschaft, sondern vor allem auch den Anhängern einen äußerst schlechten Dienst erwiesen haben. — Obwohl Motor Hennigsdorf nur durch diesen Urteilsspruch zu Meisterehren kam, ist der Titelgewinn nicht unverdient! Deshalb auch von dieser Stelle aus der Glückwunsch an die Jungen um Übungsleiter Arthur Bialas, die nun in der DDR-Liga vor einer weit höheren Bewährungsprobe stehen werden.

Die Mannschaft der Saison

Wenngleich TSV Luckenwalde — im Vorjahr als Aufsteiger auf Rang 13 platziert — nicht in den Spitzenkampf eingreifen konnte, so gilt ihr doch getrost das Prädikat „Mannschaft der Saison“. Entsprechend seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten schöpfte das Kollektiv alle Reserven aus und belegte einen hervorragenden 5. Platz. Ein Erfolg, der nicht zuletzt dem agilen Woltersdorfer Sportlehrer Meyer zuzuschreiben ist, der es als Torschützenkönig der Saison auf 28 Treffer brachte. Ein dickes Lob verdient haben sich gleichfalls 2 der 4 Neulinge, nämlich Motor Babelsberg II und Eintracht Glindow. Motor Babelsberg II imponierte vor allen Dingen in spielerischer Hinsicht, während bei Eintracht Glindow unbändiger Elan ausschlaggebend für die glänzende Position innerhalb des 16er Feldes war.

Torquote sank

Erstmals nicht über die 100-Tore-Grenze im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren kamen die Spitzenmannschaften. Standen zum Ende der Saison 1970/71 bei Stahl Hennigsdorf und Motor Babelsberg 135 bzw. 107 Treffer zu Buche – 1969/70: Stahl Brandenburg 108; Motor Babelsberg 101 —, so erzielten diesmal Premnitz 88 und Hennigsdorf 82. Das mußte sich naturgemäß auf die Durchschnittsquote auswirken. Sie betrug diesmal je Spiel 3,23. Das eindeutigste Resultat erzielte Chemie Premnitz gegen Lok Jüterbog mit 9:0, gefolgt von Motor Babelsberg II, das Lok Wittstock mit 8:0 distanzierte. In der Torschützenliste folgen hinter Meyer mit 20 Toren Sandowski (Premnitz), mit 18 Toren Möhring (Premnitz) und Golz (Hennigsdorf), mit 15 Toren Krauß (Teltow) und Hanne (Pritzwalk), mit 14 Toren Wollenschläger (Glindow), mit 13 Toren Betke (Teltow), mit 12 Toren Dylawerski (Motor Süd), G. Schmidt (Glindow), Gottong (Premnitz), Behrendt (Wittstock).

 

Und wieder Luckenwalde

Daß man sich mit ansprechenden Leistungen schnell die Gunst des Publikums, erringen kann, bewies Luckenwalde. Mit 18100 Besuchern bei den Heimspielen war die Elf die meistbesuchteste Mannschaft. Weiter folgten: Motor Hennigsdorf (12 076), Motor Süd Brandenburg (11 600), Chemie Premnitz (8480), Lok Wittstock (7860) und Eintracht Glindow (7850).

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