Fußball Aufstiegsspiel Babelsberg.Premnitz 1980/1981

2.Aufstigespiel zum Aufstieg zur DDR-Liga Saison 1980/1981

 

Motor Babelsberg-Chemie Premnitz 4:1 (1:0) n.V.

 

Torfolge: 1:0 Goldmann (45.) 1:1 Rosin (57./Selbsttor) 2:1 Rosin (77.) 3:1 Thomalla (107.) 4:1 Thomalla (113.)

 

Zuschauer: 2100

 

 

Packendes Bezirksfinale endete 4:1 für Motor-Elf

Babelsberg und Premnitz unterstrichen gewachsene Spielstärke Entscheidung vor 5000 Zuschauern erst, in der Verlängerung

Dramatik war Trumpf im zweiten Finaltreffen um die Fußball-Bezirksmeisterschaft zwischen Motor Babelsberg und Chemie Premnitz. 2 :1 hieß es am Pfingstsonnabend nach der regulären Spielzeit für Motor, das gleiche Resultat, mit dem Premnitz eine Woche zuvor erfolgreich gewesen war. Also mußte die Verlängerung her, und hier hatten die Babelsberger mehr hinzuzusetzen. Aus dem 2 :1 wurde noch ein 4:1. Damit waren 120 Minuten vorüber, in denen ein jeder der 5000 Zuschauer ein wahres Wechselbad der Gefühle durchlebt hatte. „Es war ein äußerst abwechslungsreiches, schnelles Spiel, mit ansprechendem Niveau“, lobte am Ende FIFA-Schiedsrichter Klaus Schreurell, und gab damit auch den allgemeinen Tenor wider.

Der Gastgeber begann zügig und ideenreich, Premnitz hatte bange erste 15 Minuten zu überstehen. Dann aber gewannen die Chemiker zusehends an Selbstvertrauen und als Rosenberg (19.) das erste Achtungszeichen setzte und Hurtig wenig später die Latte traf, hinterließ das schon Wirkung, Auf und ab wogte nun das Geschehen, packende Zweikämpfe wie der zwischen Rosin und Rosenberg wurden mit Beifall honoriert. D. Edeling traf gleichfalls nur das Gebälk (40.), aber Sekunden vor dem Pausenpfiff war der vorzügliche Schlußmann Ginzel machtlos, als Goldmann einen Fiedler-Schuß noch abfälschte. 1:0, war Babelsberg schon am Ziel?

Beileihe nicht  ! Denn als man hier und da noch darüber diskutierte, ob denn nun der Babelsberger Treffer ein Fiedler-Tor oder ein Eigentor gewesen sei, da fabrizierte Rosin (57.) ein lupenreines Selbsttor. „Ich hätte am liebsten im Erdboden versinken können“, charakterisierte er später seine seelische Verfassung. Jedoch: Babelsberg steckte diesen Schock schnell weg, der offene Schlagabtausch wurde fortgesetzt. Fiedler setzte einen Freistoß (63.) ans Lattenkreuz, während auf der Gegenseite Torwart Bretz einen Schuß von Hurtig (66.) mit toller Reaktion meisterte. Der Babelsberger Schlußmann, von einigen vorher als eventuelle Schwachstelle im Mannschaftsgefüge bezeichnet, war jederzeit eine Stütze seiner Elf.

Weiter ging’s, beide Teams hatten große Szenen, wobei Motor mehr die spielerischen Akzente setzte. Babelsberg mußte kommen, Premnitz seinerseits begab sich längst nicht in die Defensive! Tor Nr. 2 hatten beide Vertretungen vor den Füßen! Doch es fiel für Babelsberg, als Rosin mit einem eminent scharf getretenen Freistoß Ginzel bezwang. Die Partie konnte von vorn beginnen, Rosin, 20 Minuten zuvor noch der große Unglücksrabe, war jetzt wohl der glücklichste Mann auf dem Platz.

Dann kam die Verlängerung, in der der Platzbesitzer weit frischer wirkte als der Rivale. Vor allem König, Rosin und Marienhagen waren nach wie vor in der Lage, lange Wege zu gehen. Auch Routinier Thomalla schaltete sich mehr und mehr in den Angriff ein und als er in der 107. Minute abschoß, war ihm im gleichen Moment klar, „dieser Ball schlägt ein! 3 : 1 für Motor, doch noch waren 13 Minuten zu spielen. Und Chemie gab längst nicht klein bei- Die Nerven waren bis zur Zerreißprobe angespannt Dann fehlten noch 7 Minuten bis zum Schlußpfiff, da bewies Thomalla erneut Übersicht. Es stand 4 : 1, die Partie war endgültig entschieden.

Kommentar :

DAS     KARL-LIEBKNECHT-STADION der Bezirksstadt, Mitte der 70er Jahre zu einer der wohl schönsten und modernsten Anlagen dieser Größenordnung in unserem Lande ausgestaltet, lag rund ein Jahr im Dornröschenschlaf. Gewiß,mit 8800 Zuschauern hielt die einheimische Motor-Mannschaft auch in der Bezirksliga die Spitze in der Publikumsresonanz, doch diese Zuschauerzahl  verläuft sich im Stadionrund, teilt man sie auf 13 Heimspiele auf. Am Pfingstsonnabend aber erlebte die traditionelle Fußballstätte ihre Wiedergeburt. 5000 kamen, und das trotz der zum gleichen Zeitpunkt stattfindenden Fernseh-Direktübertragung vom FDGB-Pokalfinale aus Berlin. Die Bezirkstadt, ein Jahr notgedrungen DDR-Liga-abstinent, bleibt offensichtlich ein heißes Fußballpflaster, vorausgesetzt, man kann Spannung und ansprechendes Niveau erwarten.

DEN   BEIDEN   HAUPTDARSTELLERN des Tages, Motor Babelsberg und Chemie Premnitz, gebührt Anerkennung.Sie sorgten mit ihrer Einsatzfreude, mit ihrem soliden Können dafür, dass diejenigen, die die Fußballszenerie lange Zeit aus der Zeitung verfolgten,fortan wieder „live“ dabeisein werden.Denn das, was beide Mannschaften zu bieten hatten, stellt den Bezirksliga-Spitzenvertretungen rundum ein gutes Zeugnis aus. Ihre während der abgelaufenen Saison nie zu erschütternde Vormachtstellung in der Nord- bzw Südstaffel kam nicht von ungefähr, wie die Leistungen vor allem im 2. Finalspiel verdeutlichten. Der Beifall des begeistert mitgehenden Publikums unterstrich das. „Das war eine Stimmung wie zu früheren Oberligazeiten auf diesem Platz“, freute sich das dienstälteste Mitglied des BFA Fußball, Paul Bauschke. Der Ur-Babelsberger lobte vor allem auch die Fairness, mit der die Akteure trotz der Bedeutung des Treffens zu Werke gingen.

IN PREMNITZ hatte der Gastgeber in der ersten halben Stunde verabsäumt,die deutliche Überlegenheit in Tore umzumünzen. Später mußte er froh sein aus der Babelsberger Führung in den letzten 180 Sekunden noch einen Sieg gemacht zu haben. Jedoch das 2;1 der Chemiker war dünn, ließ den Optimismus der Bezirksstädter enorm anwachsen. Nur ein Beispiel dafür. In der Woche vor dem Rückspiel hatte ein jeder der Motor-Spieler an die Schranktür der Umkleidekabine seinen Tip geschrieben. Das 1:0 und 2:0 dominierte dabei, doch einer prophezeite sogar das tatsächliche Endergebnis: Übungsleiter Günter Lüdicke! Zweckoptimismus? „Ich war felsenfest davon überzeugt, daß wir es schaffen, zumal das Heimrecht im zweiten Vergleich immer ein Vorteil ist Aber auch die Moral in der Mannschaft verlieh mir den Optimismus. Na, und daß ich bei meinem Tip etwas hoch griff, wird mir wohl keiner verübeln.“

APROPOS MORAL. Diese bewies die Babelsberger Truppe nach dem Selbsttor Rosins, denn das 1:1 brachte Motor trotz Überlegenheit plötzlich ins Hintertreffen. „Zuerst waren wir wie gelähmt“ gestand später Wolfram Thomalla, doch das währte nur Sekunden, dann qing es wie ein Ruck durch unsere Reihen: Noch 20 Minuten, nur nicht aufgeben, dachte ein jeder.“ Nun, gerade in dieser Situation bewies sich Motor als physisch stark, und so kam es schließlich nicht von ungefähr, daß dem 2:1 Rosins die entscheidenden Treffer von Routinier Thomalla folgten. „Eigentlich wollte ich nach dieser Saison aufhören, aber die DDR-Liga reizt mich nun doch noch einmal“, äußerte der einstige Michendorfer, der im September 32 Jahre wird.

STATISTIK IST UNBESTECHLICH, Und sie sagt aus, daß der Eckenstand am Ende 22:5 für Babelsberg ausfiel, während das Torschußverhältnis von 34:13 noch eindeutiger für Motor sprach. In der entscheidenden Phase der Verlängerung schoß der Gastgeber siebenmal aufs gegnerische Gehäuse, Premni
tz dreimal. Bei den Ecken hieß es in dieser Phase gar 6 :1 für den Sieger, Sicher auch ein Zeichen der größeren Kraftreserven, wobei der kleine König nun zum großen Herrscher im Mittelfeld wurde. Eine Bravourleistung, die er da nach bereits absolvierten 1 1/2 Stunden Tempofußball zeigte. Die Statistik sagt auch aus, daß lediglich 3 der 8 Treffer von Stürmern erzielt wurden (Rosenberg 2 /Fiedler 1) und daß 3 Tore aus Freistößen (Rosin 2 / Rosenberg 1) resultierten.Wohl bot   Babelsberg   den geschlosseneren Abwehrblock, über die »bissigeren“   Angreifer  aber  verfügte Premnitz mit Rosenberg und Hurtig.

DIE LEISTUNGSUNTERSCHIEDE zwischen beiden Teams – stellt man die erste Partie mit in Rechnung — waren nicht gravierend. Um so bitterer ist es nun natürlich für Chemie/Trotz der Rekordbilanz, die die Elf für Potsdams zweigleisige Bezirksliga aufstellte, ist die Mannschaft kurz vor Toresschluß noch gescheitert. Indes: Die Premnitzer sollten nach dem nötigen Abstand zum Geschehen Manns genug sein, mit neuer Energie die zweithöchste Spielklasse unseres Landes anzusteuern. Motor Babelsberg hingegen will den Aufwind nutzen; denn daß Potsdam ein Jahr lang als einzige Bezirksstadt über keine DDR-Ligamannschäft verfügte, mit dieser Schmach soll nun ein für allemal Schluß sein. – Die Fußballanhänger von Potsdam und Umgebung haben wieder Zutrauen zu ihrer Mannschaft gefunden und sind gespannt, wie es weitergehen wird.

PETER BRANDES

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